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Melanie Goebel arbeitet als Kommunikations- und Sprechtrainerin in Bochum und coacht die Teilnehmer des Science Slams „Geistesblitze“ bereits zum dritten Mal. (c) privat

19. April 2018 – Melanie Goebel, Sprech- und Kommunikationstrainerin aus Bochum, coacht zum dritten Mal Nachwuchsneurologen und Neurowissenschaftler für den DGN Science Slam „Geistesblitze“, der jedes Jahr im Rahmen des DGN-Kongresses veranstaltet wird.

In ihrem begleitenden Workshop in Berlin lehrt sie die Teilnehmer, die eigene Stimme zu nutzen, um das Publikum zu begeistern und Forschung packend zu präsentieren. „Das sind Fähigkeiten, die auch im beruflichen Alltag wichtig sind: Sie entscheiden oft darüber, ob ein Forscher erfolgreich Fördergelder einwirbt oder ob er Studenten für sein Fach begeistern kann“, weiß Melanie Goebel, die selbst im Forschungsbetrieb gearbeitet hat. Im Interview verrät sie, was auf die Teilnehmer des Science Slams zukommt und mit welchen Tricks sie das Publikum für sich gewinnen.

Melanie, du begleitest als Coach Science Slams und hast slammende Neurologen auch schon bei den letzten beiden Geistesblitze Science Slams im Workshop und direkt vor dem Auftritt unterstützt. Was reizt Dich an der Aufgabe?

Wissenschaftler sind meist keine Bühnenmenschen, sie wollen im Hintergrund bleiben. Vor allem Forscherinnen neigen dazu, das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen und fürchten, dass ihr Thema nicht spannend genug ist, dass es sich nicht fürs große Publikum eignet und dass Forschung ohnehin niemanden interessiert. Mit dieser Haltung präsentieren solche Wissenschaftler dann wenig überzeugend ihre tollen Projekte, für die sie doch brennen und von deren Wichtigkeit sie überzeugt sind. Sie verschenken damit die Chance, in die Herzen und Hirne des Publikums vorzudringen: ob es nun um den Sieg beim Science Slam geht oder darum, Fördermittel einzuwerben oder Studenten für das Fach Neurologie zu begeistern. Bei den Science-Slam-Workshops bin ich die Perlentaucherin, die die Forschungsschätze gemeinsam mit den Teilnehmern hebt und ihnen Glanz verleiht. Das ist die große Herausforderung!

Wie bringst Du Wissenschaftlern in deinem Coaching bei, das Publikum für sich zu gewinnen?

Die Teilnehmer erfahren, wie sie einen guten Vortrag gestalten und aufbauen: Wie übersetze ich meine Forschung so, dass sie eingängig ist und dass meine Zuhörer das Thema nachhaltig begreifen? Was ist für Laien besonders spannend und interessant? Daran arbeite ich mit jedem Slammer persönlich. Um Lampenfieber zu bekämpfen und das Ohr des Publikums zu gewinnen, trainieren wir die Stimme, das Sprechen, die Mimik, die Gestik: Wie trete ich auf? Wie erreiche ich mehr Präsenz? Dazu gibt es viele Übungen aus dem verbalen und nonverbalen Bereich. Es sind diese Kleinigkeiten, die das Publikum aufhorchen lassen – und diese Erfahrung ist für die meisten Teilnehmer ein echtes Aha-Erlebnis.

Muss man besonders extrovertiert sein, um bei einem Slam auftreten zu können?

Mit der richtigen Technik kann jeder Wissenschaftler das Publikum für sein Thema begeistern. Jeder kann prinzipiell slammen. Es gibt unterschiedliche Typen von Slammern und verschiedene Arten, einen Vortrag zu gestalten. Wichtig ist, dass der Slammer er selbst bleibt. Anders als ein Schauspieler soll er oder sie nicht in eine andere Rolle schlüpfen, sondern die eigene Persönlichkeit präsentieren. Wer es liebt, auf der Bühne zu stehen, darf gerne Gags einbauen und mit dem Publikum in Dialog treten. Forschern, die von Natur aus keinen Rampensau-Charakter haben, rate ich, ihren Vortrag ruhiger zu gestalten. Entgegen den Klischees muss ein Science Slam nicht unbedingt lustig sein.

Was macht einen richtig guten Slam aus?

Gut gelungen ist ein Vortrag, wenn die Zuschauer danach mehr wissen wollen und neugierig geworden sind. Gerade das gelingt den meisten Slammern auch.

Wie trägt die Stimme zu einem gelungenen Vortrag bei?

Eine wohlklingende Stimme vermittelt dem Zuhörer eine Wohlfühlatmosphäre, Souveränität und Vertrauen. Die eigene Wohlfühlstimme findet man am besten über Genuss: eine sehr kraftvolle, gesunde Stimme mit der jeder geboren wurde und die Heranwachsende oft durch Krankheiten oder andere Beeinträchtigungen verlernen. Wer diese Stimmlage trifft, zieht damit das Publikum schon unbewusst auf die eigene Seite.

Und wie finde ich diese Wohlfühlstimme?

Es gibt da einen Trick: Man denkt an sein Lieblingsessen und fabriziert dann ein genussvolles „Mhmmm“. Das kommt den meisten Menschen etwas seltsam vor, aber man kann dadurch zur eigenen Wohlfühlstimme zurückfinden. Ärzten hilft es dabei, im Gespräch mit Patienten Vertrauen aufzubauen. Denn für Neurologen ist das genauso wichtig wie für Bühnenschauspieler oder alle, die viel telefonieren. Jeder, der viel spricht, kann von dieser Übung profitieren.

Inwiefern profitieren die Teilnehmer vom Coaching?

Die meisten Teilnehmer können ihre Vortragstechnik stark verbessern: Vom „Ich lese meinen Vortrag irgendwie ein bisschen langweilig ab“ hin zu: „Ich hab’ jetzt richtig Lust zu gestalten: Bilder für meinen Vortrag zu zeichnen, Musik einzubauen, mit dem Publikum zu kommunizieren.“ Gestandene Forscher lernen den Wert von Kunstpausen zu schätzen: sie gezielt einzusetzen, damit sich in den Gehirnen der Zuhörer die Bilder entwickeln können und die Informationen haften bleiben. Stimmarbeit und Bühnenarbeit ist auch immer Persönlichkeitsentwicklung: Viele lernen, ihr Lampenfieber bei Vorträgen zu bekämpfen und treten selbstbewusster auf. Natürlich profitieren auch die Unis von Wissenschaftlern, die wissen, wie man Studenten für ein Thema begeistert. Im deutschen Forschungsumfeld, an Universitäten und Hochschulen spielte die Frage, wie man Fachwissen interessant vermittelt, bis vor wenigen Jahren keine Rolle. Inzwischen wächst dort aber das Interesse, Nachwuchswissenschaftler auch in diesem Bereich gut und gesund aufzustellen.

Wie kommen das Coaching und der Slam bei den Workshop-Teilnehmern an?

Die Übungen aus dem Stimm- und Sprechtrainingsbereich sind für Laien manchmal etwas seltsam. Man muss die Teilnehmer etwas piksen, damit sie aus ihrem Wohlfühlbereich herauskommen und Neues wagen. Aber hinterher ist das einfach ein ganz tolles Erfolgserlebnis. Was die meisten mitnehmen, ist eine neue Lust auf das eigene Thema. Wenn man Jahre oder Jahrzehnte an ein und demselben Projekt arbeitet, erlahmt manchmal die Motivation. Die Storytelling-Methode und verrückte Übungen bewirken oft, dass das eigene Thema plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheint und neue Ideen entstehen.
Viele Neurologen und Neurowissenschaftler können es gar nicht fassen, dass kleine Tipps so viel bewirken, dass das Publikum ihr Thema wirklich hören will und dass sich überhaupt so viele Zuhörer für die Neurologie interessieren – zum letzten Geistesblitze Science Slam in Leipzig kamen 1200 Besucher!

Interview: Gwendolyn Rohsaint

 

Jetzt bewerben!

Der nächste Science Slam „Geistesblitze“ der DGN und der Jungen Neurologen findet am 2. November 2018 in Berlin im Rahmen der Neurowoche statt. Slammer können sich für den Vorbereitungsworkshop am 15. September in Berlin bis zum 30. Juni bewerben. Bewerbungen bitte mit kurzem Lebenslauf und knapper Beschreibung des Themas – gerne auch als Video – per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Weitere Informationen: www.neurowoche.org/programm/science-slam

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