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Erfahrungsberichte vom PJ in der Neurologie PDF Drucken E-Mail
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Im letzten Jahr des Medizinstudiums wird es spannend. Das Praktische Jahr steht an und soll euch in den klinischen Alltag einführen. Neben der Inneren Medizin und der Chirurgie, die für jeden werdenden Arzt Pflicht sind, bekommt Ihr hier die Gelegenheit, im dritten Abschnitt 16 Wochen lang die klinische Praxis in der Neurologie kennenzulernen. Um euch einen Vorgeschmack zu bieten, findet Ihr an dieser Stelle ab sofort Erfahrungsberichte von werdenden Neurologen, aus Ihrem PJ in der Neurologie.


Warum Neurologie? Ein Erfahrungsbericht

2. November 2011 – Schon im vorklinischen Abschnitt interessierten mich besonders neurophysiologische und neuroanatomische Themen. Auch der klinisch-neurologische Untersuchungskurs, sowie der Unterricht am Krankenbett weckten mein Interesse an diesem Fachgebiet, so dass meine Wahl für das Wahltertial des praktischen Jahres auf die Neurologie fiel.

Ich wurde einem Lehrkrankenhaus mit zwei neurologischen Stationen, einer Stroke Unit (4 Betten) und einem spezialisierten Epilepsiezentrum zugeteilt.

 

Tagesablauf

Der Tag auf Station begann für mich zwischen 7.30 und 7.45 Uhr. Nachdem ich mir einen kurzen Überblick über neue Patienten verschafft habe, folgten Blutentnahmen und Flexülen legen. Um 8.30 Uhr fand die tägliche Frühbesprechung statt. Hier wurden in der Nacht zuvor aufgenommenen Patienten und RST-Kontakte kurz vorgestellt, sowie deren CT oder MRT Bilder demonstriert und diskutiert.

Gegen 10 Uhr fing die tägliche Visite an. Dienstags war Chef- und donnerstags Oberarztvisite. Vor den Patientenzimmern wurde jeder Patient vom Stationsarzt vorgestellt und Befunde und Procedere ausführlich mit den Anwesenden besprochen. Für mich bestand zu jeder Zeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Unklarheiten anzusprechen. Die von mir betreuten Patienten konnte ich eigenständig vorstellen und so das weitere Procedere genau nachvollziehen.

Die Visite dauerte meistens bis 13 Uhr, da viele Patienten noch einmal klinisch-neurologisch untersucht und bei unklaren Fällen erneut genaue Anamnesen erhoben wurden. Dies gestaltete sich gerade bei dem doch älteren und z.T. multimorbiden Patientengut (v.a. demenzielle Entwicklung) als relativ zeitintensiv, jedoch immer lehrreich.

Im Anschluss an die Visite gingen wir gemeinsam mit dem kompletten neurologischen Ärzteteam zur Mittagspause in der Mensa des Krankenhauses. Die Atmosphäre empfand ich immer als sehr angenehm und locker ausgeglichen.

Den Nachmittag über hatte ich Gelegenheit, Briefe für „meine“ Patienten zu diktieren bzw. korrigieren, was mir anfänglich viel Konzentration abverlangte, im Verlauf jedoch immer leichter fiel. Auch die chefärztliche Korrektur brachte diesbezüglich einen guten Lernerfolg für mich. Des Weiteren konnte ich noch erforderliche Diagnostik anmelden, Konsile stellen und neue Befunde sichten. Relativ häufig hatte ich die Möglichkeit, Lumbalpunktionen eigenständig unter Aufsicht durchzuführen, was mir sehr gefallen hat. Zu meinen Aufgaben gehörten aber auch die Durchführung verschiedener Assessments wie dem MMST (Mini-Mental Status-Test zur kognitiven Einschätzung bei v.a. dementielle Entwicklung), dem UPDRS und PANDA-Test (Abschätzung von Kognition und Stimmung bei Parkinson-Syndromen), dem L-DOPA Test oder dem Schellong Test.

Da das Patientengut hauptsächlich über die Rettungsstelle akquiriert wurde und viele der neuen Patienten von der Stroke Unit verlegt wurden, waren geplante stationäre Aufnahmen eher seltener, jedoch besonders spannend: Hier konnte ich eigenständig (und sozusagen als „erste“) Anamnese und klinisch-neurologischen Untersuchungsbefund erheben und den Patienten anschließend oberärztlich vorstellen. Unklare Untersuchungsbefunde wurden nachuntersucht, zusammen weitere Diagnostik besprochen und die Patientenkurve geschrieben. Gerade diese Aufnahmen waren für mich besonders lehrreich, da ich den Patienten von Anfang an betreuen konnte. Besonders für stationäre Aufnahmen zur Abklärung von Parkinson-Syndromen konnte ich mich nach und nach immer mehr begeistern, sodass ich auf diesem Gebiet viel dazulernen konnte.

Zwischenzeitlich bestand die Gelegenheit, verschiedenen neurophysiologischen Untersuchungen beizuwohnen (ENG, EMG, MEP). Auch konnte ich die Oberärztin bei Konsilen begleiten, was ich immer als spannend empfand. (Mein persönliches Highlight war die Untersuchung eines primär internistischen Patienten, bei dem sich der Verdacht einer Myasthenie bestätigte.) Gerne hätte ich mehr Zeit in der Rettungsstelle verbracht, was sich jedoch auf Grund des Arbeitspensums auf Station nicht immer möglich war.

Da das Haus über ein spezialisiertes Epilepsie-Zentrum verfügte, hatte ich die Möglichkeit, dort zu hospitieren und so einen Einblick in dieses komplexe Fach zu bekommen, mein Wissen rund ums EEG zu vergrößern, eigene Patienten zu betreuen und die gezielte „epileptische“ Anamnese zu erheben.

Die abteilungsinternen Fortbildungen habe ich mit Interesse verfolgt, gerne hätte ich jedoch darüber hinaus spezielle PJ-Fortbildungen besucht, welche im Haus jedoch nicht angeboten wurden.

 

Fazit

Rückblickend hat meine Zeit in der Neurologie das Interesse und die Begeisterung für dieses Fach noch vergrößert und mich in meiner Entscheidung, in der Neurologie in den Beruf zu starten, bestärkt.

Zusammenfassend kann ich jedem an der Neurologie interessiertem nur raten, das Wahltertial Neuro zu „wagen“- man bekommt einen guten Einblick in dieses komplexe und spannende Fach und lernt, Patienten genau zu untersuchen, schärft seinen „klinischen Blick“ – was abseits der Neurologie interdisziplinär gesehen eine gute Vorrausetzung für das spätere Berufsleben bedeutet. (JB)

 

© 2010 Deutsche Gesellschaft für Neurologie/Junge Neurologen