/*
loading...

Aktuelles

loading...

Kommende Termine

22
Feb
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg Universität

26
Mär
Zentrum für Neurologie Seesen
Dein Tag in der Neurologie im Ökumenisches Hainich Klinikum gGmbH, Mühlhausen/Thüringen

01
Jul
Uniklinik Köln

15
Jul
Förderung von Nachwuchswissenschaftlern in der Parkinsonforschung

Aschrio et al, Vitamin D as an Early Predictor of Multiple Sclerosis Activity and Progression; JAMA Neurol; 2014 Jan 20 [Epub ahead of Print]

Darstellung von Dr. Benjamin Knier – Mitglied der Med-Wiss


Hintergrund: Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Nervenerkrankung, die die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im jungen Erwachsenenalter darstellt. Der Einfluss verschiedener Umwelt- und Ernährungsfaktoren auf die MS wird derzeit intensiv erforscht. Im Vorfeld gab es mehrere Hinweise, dass der Vitamin-D-Serumlevel (im Weiteren als „Vitamin-D-Spiegel“ bezeichnet) einen gewissen Einfluss auf den Krankheitsverlauf der MS haben könnte. Es wurde bisher gezeigt, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert sind. Unklar jedoch verblieb, ob der Vitamin-D-Spiegel auch den weiteren Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Da ein Vitamin-D-Mangel weit verbreitet ist, würde sich hier eine Behandlungsoption ergeben.

Fragestellung: Hat der Vitamin-D-Spiegel zu Beginn der Erkrankung einen Einfluss auf den weiteren und späteren Krankheitsverlauf im Rahmen einer MS?

Methode: Ausgewertet wurden Daten der BENEFIT (Betaferon in Newly Emerging MS for Initial Treatment)-Studie, welche ursprünglich untersucht hatte, ob eine frühe Therapie mit Interferonβ-1b die Konversion eines klinisch isolierten Syndroms in eine schubförmig-remittierende MS günstig beeinflussen kann. Hierbei wurden zwischen Juni 2002 und Juni 2003 Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom im Verhältnis 5:3 in eine Behandlungsgruppe mit Interferonβ-1b (250 µg s.c. alle zwei Tage) oder eine Placebogruppe randomisiert und bis zum Übergang in eine MS (primärer Endpunkt), jedoch über maximal zwei Jahre verlaufsbeobachtet. Im Anschluss war zudem eine weitere Open-Label-Teilnahme in der Behandlungsgruppe möglich, jedoch maximal über 5 Jahre nach Studieneinschluss. 

Es nahmen insgesamt 98 Zentren aus 18 europäischen Ländern sowie Israel und Kanada teil. Hierbei wurden die Vitamin-D-Spiegel zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses, nach sechs, zwölf und 24 Monaten mittels ELISA-Test bestimmt. Insgesamt wurden 486 Patienten in die BENEFIT-Studie eingeschlossen, von 465 Patienten existierte mindestens eine Serumprobe, von 417 mindestens zwei, von 396 mindestens drei und von 303 Patienten alle 4 Serumproben. 

Verglichen wurde die Vitamin-D-Spiegel mit der Dauer bis zum Übergang eines klinisch isolierten Syndroms in eine schubförmig-remittierende MS (also mit der Zeit bis zum Auftreten eines zweiten Schubes), der MS Krankheitsaktivität (Anzahl der Schübe, Anzahl neuer T2-Läsionen im cMRT, Anzahl Kontrastmittel-aufnehmender Läsionen im cMRT) und der MS-Progression (Änderung des EDSS-Score, Änderung des Läsionsvolumen im cMRT, Änderung des Gehirnvolumens). 

Ergebnisse: Wenn auch jahreszeitlich bedingte Vitamin-D-Spiegel-Schwankungen registriert wurden, ergaben sich keine signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Messzeitpunkten während der ersten beiden Jahre (Patienten mit initial niedrigen Spiegeln verblieben auch meist bei niedrigen Spiegeln). 

Während der 5-jährigen Beobachtungszeit konvertierten insgesamt 81,3 % in eine MS nach den McDonald Kriterien. Das Konversionsrisiko korrelierte hierbei negativ mit den Vitamin-D-Spiegeln während der ersten beiden Jahre (ein Anstieg um 50 nmol/l reduzierte das Konversionsrisiko um 50 %). Hierbei war besonders der Vitamin-D-Spiegel nach 6 Monaten, also früh im Krankheitsverlauf, aussagekräftig.

Ein ähnlicher Zusammenhang bestand mit der Schubhäufigkeit (Anstieg um 50 nmol/l zum Zeitpunkt der Baseline führte zu einer Reduktion der Schubrate um 57 %  zwischen den Jahren 1 bis 5) sowie der kernspintomographischen Krankheitsaktivität. Ein Anstieg des Vitamin-D-Spiegels um 50 nmol/l während des ersten Jahres verringerte die Anzahl neuer T2- oder Kontrastmittel-aufnehmender Läsionen um 57 % zwischen Jahr 1 bis 5 bzw. um 63 % zwischen Jahr 2 bis 5. Auch hier waren die frühen Messwerte zum Zeitpunkt 6 und 12 Monate nach Studieneinschluss ausschlaggebend.

Hinsichtlich MS-Krankheitsprogression waren höhere Vitamin-D-Spiegel mit verringertem Anstieg des kumulativen T2-Läsionsvolumens im cMRT assoziiert. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang ergab sich zu den weiteren Parametern, jedoch fanden sich Tendenzen. Ein Anstieg des Vitamin-D-Spiegels um 50 nmol/l führte tendenziell zu niedrigeren EDSS-Scores (p=0,11) und weniger Hirnvolumenatrophie (p=0,12).

Fazit: Der Vitamin-D-Spiegel zu Beginn der MS beeinflusst signifikant den weiteren Krankheitsverlauf. Hierbei sind niedrigere Vitamin-D-Spiegel mit einem frühen Übergang eines klinisch isolierten Syndroms in eine MS, einer erhöhter Krankheitsaktivität und vermehrter Krankheitsprogression assoziiert.

Limitationen: Der Großteil der Patienten wurde mit Interferonβ-1b behandelt, sodass unklar ist, inwiefern der Vitamin-D-Level den weiteren Krankheitsverlauf bei anderen MS-Therapieformen beeinflusst. Zudem wurden hauptsächlich europäische Patienten untersucht, sodass der Effekt nicht ohne Weiteres auf andere Erdteile extrapoliert werden kann.

Kommentar des Autors: Diese Studie zeigt eindrücklich, wie der Vitamin-D-Spiegel zu Beginn der MS-Erkrankung den weiteren Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Trotz Limitationen ist dies ein eindeutiges Signal, künftig bei Patienten zu Beginn der Erkrankung den Vitamin-D-Spiegel im Serum zu messen und, im Falle eines Mangels, auszugleichen. Unklar verbleibt leider weiterhin, ob eine Vitamin-D-Einnahme auch bei normalen Serumlevel protektiv ist und, falls Ersteres zutreffend, in welcher Dosis dies erfolgen sollte. Studien diesbezüglich werden mit Spannung erwartet.


Weiterführende Links:

Hinsichtlich des primären Endpunktes Tod oder schwere Behinderung unterschieden sich beide Gruppen mit 52% (intensivierte Blutdrucksenkung) versus 55,6% (Standardtherapie) nicht (p=0,06). Das funktionelle Outcome der Patienten bezogen auf die verbesserte modified Ranking Scale ergab ein signifikantes Ergebnis zu Gunsten der intensivierten Blutdrucksenkung (p=0,04). Die Lebensqualität war hinsichtlich der Mobilität in beiden Gruppen gleich (p=0,13), dagegen waren Selbstständigkeit (p=0,02), allgemeine Aktivität (p=0,006), Schmerz (p=0,01), Depression/Angst (p=0,05) und Gesamt-Gesundheits-Nutzen (p=0,002) nach intensivierter Blutrucksenkung signifikant verbessert. Hinsichtlich der Behandlungssicherheit waren neurologische Verschlechterung innerhalb 24 Stunden nach Behandlungsbeginn sowie schwere Nebenwirkung ohne signifikanten Gruppenunterschied. Das Hämatomwachstum nach 24 Stunden zeigte sich kein signifikanter Gruppenunterschied.


  • Publikationen

  • Bewertungen

  • Summary

  • Diskussion

Journal Club

Jeden Monat ein aktuelles neurologisches Thema aus den einschlägigen Fachzeitschriften – bedeutend, bahnbrechend oder umstritten.

Mehr erfahren

DGN logo 2018 vert 400

 

*/
Wir nutzen Cookies, um die Zugriffe auf unserer Webseite zu analysieren. Sie können dem jederzeit widersprechen. Weitere Hinweise und die Möglichkeit zum Opt-out finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung Ok